KAMBODSCHA

09.11.2004 bis 24.11.2004  |  09.11  10.11  11.11  Tagebuch 12.11  14.11  17.11  24.11  >>

Morgens um sechs Uhr braucht Amelie ein paar besinnliche Minuten für sich.

Das Boot zieht an einem schwimmenden Dorf vorbei.

Empfang in Siem Reap.
Von Phnom Penh nach Siem Reap [12.11.2004]
 
Endlich, wir fahren nach Angkor. Genauer gesagt in die nächstliegende Stadt Siem Reap. Da uns der Landweg mit achtstündiger Bustour zu beschwerlich ist, wählen wir als Verkehrsmittel das Schnellboot. Das legt um sieben Uhr ab. Weckzeit also halb sechs. Amelie murrt (Bild links). Aber nachdem wir sie aus dem Bett getrieben haben, wird sie rasch munter.

6.15 Uhr: Wir stehen an der Rezeption. Ich verlange die Rechnung mit der Anmerkung, dass ich mit Kreditkarte zahlen möchte. Außerdem möchte ich unsere Wert- sachen aus dem Safe ausgehändigt bekommen. Die Rezeptionsbesetzungskraft - wohlwollender kann man es nicht ausdrücken - beginnt vorsichtig mit dem Abarbeiten der aufgetragenen Wünsche.

6.20 Uhr:  Die Beträge der beiden Frühstücksrechnungen stehen untereinander auf einem Notizzettel. Um den Gesamtbetrag zu errechnen, fehlen also nur noch die Zimmerpreise für zwei Nächte. 

6.30 Uhr: Hah, ganz so einfach ist es nicht! Ich beobachte etwas nervös den Rezeptionsmenschen und einen Helfer beim mühsamen Traktieren des Taschenrechners. Ich entnehme den wiederholten Rechenversuchen erste Anzeichen von Verzweiflung gemischt mit Frustration: Offensichtlich sollen vom ausgehängten Zimmerpreis, 30 Dollar, für die Rechnung ein Drittel, also 10 Dollar, abgezogen werden, um auf den von uns ausgehandelten Preis von 20 Dollar zu kommen.  

6.35 Uhr: Ich habe weder Rechnungsbetrag, noch meine Wertsachen aus dem Safe, aber noch die leise Resthoffnung, dass wir es bis 7 Uhr zum Fähranleger schaffen. Drei Menschen an der Rezeption kapitulieren und rufen den Hoteldirektor aus dem Bett. Der erscheint binnen weniger Sekunden. Abwechselnd kommandiert er die Angestellten herum, führt ein paar hektische Haustelefonate, richtet ein paar beschwichtigende Worte an uns, um sich dann wieder aufzuschwingen zu seinem gnadenlosen Kommisston, der alle Angestellten in seiner Umgebung in hektische Betriebsamkeit versetzt.

6.45 Uhr: Kreditkartenquittung und Tresor-Wertsachen befinden sich in meinem Rucksack und wir uns im Taxi zum Fähranleger. 

7.20 Uhr: Die Fähre legt ab. Verspätet. Aber mit uns. Puh, noch mal alles gut gegangen.

Flussaufwärts zieht das Boot den Tonle Sap hinauf. Nach zwei Stunden sehen wir nur noch vereinzelt Häuser am Flussufer, mit zunehmender Fahrt verlieren sich die Spuren der Zivilisation. Der Fluss beginnt sich zu weiten. Vereinzelt thronen mitten im Wasser Holzhäuser auf Stelzen. Dann scheint es, der Fluss habe das gesamte Land überschwemmt: Zuerst sind nur noch Büsche und Bäume, später nur noch ihre Spitzen zu sehen. Plötzlich dehnt sich der Fluss zu einem grenzenlosen See aus. Kein Land weit und breit zu sehen. Sind wir auf dem Meer? 

Nach zwei Stunden uferloser Fahrt meine ich, einen winzigen braunen Hügel am Horizont zu erkennen. Das Boot steuert auf auf den Hügel zu. Erste Bäume und Büsche,vom Wasser umflutet, geraten ins Blickfeld. Dann erste Häuser. Nein, Hausboote! Das müssen die schwimmenden Dörfer sein, Behausungen von vorwiegend aus Vietnam stammenden Fischern. Langsam zeichnet sich eine Flussmündung ab. Ein sandiger, flacher Damm bildet die rechte Uferseite. Karge Holzhütten erscheinen. Jetzt bei Flut sind große Teile des Weges überflutet, so dass einige Hütten wie bei einer Überschwemmung von der Außenwelt abgeschnitten zu sein scheinen. Skurrile Bilder ziehen vorbei: Ein Mofa parkt im Wasser. Wo wollen wir festmachen? Kein Anzeichen eines Hafens oder geschweige eines einfachen Anlegers zu sehen. Die Lösung ist ganz einfach: Ein paar Minuten später rauscht das 20 Meter lange Boot einfach mit der Spitze voran auf das sandige Ufer. Dann kracht eine wackelige Bretterplanke vom Boot herunter und das Aussteigen kann beginnen. Wie bei einem Spießruten lauf balancieren wir durch eine Menge von schilderbewaffneten Hotelschleppern (Bild links). Willkommen in Siem Reap!?

Nach kurzen Verhandlungen entscheiden wir uns für ein Hotel. Die Akquisiteure der Golden Temple Villa, unserer Heimat für die nächsten Tage, führen uns mit dem Auto in die fünf Kilometer entfernte Stadt Siem Reap.

Nach einem kurzen Stadtbummel im quirligen aufkeimenden Touristenstädtchen planen wir unsere Trips für die nächsten Tage. Im Visier stehen natürlich Angkor Wat und Ta Phrom - letzterer bekannt aus den Filmen "Lara Croft" sowie "Zwei Brüder" von Jean-Jaques Annaud. Wir wollen aber auch einige weniger besuchte und etwas unberührtere Nebentempel aufsuchen.

Das uns die Tempel derart einnehmen und begeistern würden, haben wir an diesem Abend noch nicht geahnt. Insgesamt sollten wir zehn Tage in Siem Reap verweilen.

< Voriger Eintrag

Nächster Eintrag >

 

 

Die Boots- fahrt kostet pro Kopf 25 Dollar. Kin- der sind, solange sie noch auf einen Erwach- senenschoß passen, frei.