KAMBODSCHA
09.11.2004 bis 24.11.2004  |  09.11  10.11  11.11  12.11  14.11  Tagebuch 17.11  24.11  >>

Die Natur als Spielplatz.

Eine possierliche Echse am Wegesrand.

Hunderte Lingame bedecken das Flussbett.

Shiva weilt im Wasser.

Der betretene Skorpion.

Zwei Türme Banteay Sreis - nach Art der frühen Lichtbildner.

Achtung, Reptilwechsel.
Kbal Spean & Banteay Srei
[17.11.2004]
 
Aufbruch um 6 Uhr früh. Mit einem Mietwagen samt Fahrer wollen wir heute eine 40 Kilometer entfernte und schwer zugängliche Sehenswürdigkeit auskundschaften: Kbal Spean. Tief im Dschungel in einem Bach verborgen wurde Kbal Spean - auch "The river of a thousand lingas" genannt - erst 1969 entdeckt. Eine holprige Drei-Stunden-Fahrt auf überwiegend schlaglochzer- fressener Sandpisten liegt vor uns. 

Der erste Abschnitt verläuft auf den gut ausgebauten Zufahrtswegen zu den Tempeln Angkors. Um diese morgendliche Zeit kommen uns Hunderte von Rad- und Motorradfahrern entgegen. Es sind die Menschen, die von der Erschließung der Tempel als touristische Sehenswürdigkeit profitieren: Verkäufer aller Art, Erfrischungsbutzenbesitzer, Bedienungen, Tempelaufseher, Imbissinhaber, Straßenfeger, offizielle und selbsternannte Guides, Holzsammler, Bauarbeiter, Helfer, Bettler sowie jeweils deren Kinder, sonstige Angehörige und Bekannte.

Anschließend passieren wir einige ihrer Dörfer, die nur aus einer Hauptstraße zu bestehen scheinen. Immer wieder ertönt laute Musik aus bunt dekorierten Hütten, deren einsehbare Fläche fast komplett mit Plastiksitzen bestuhlt sind. Hier werden Hochzeiten vorbereitet.

Unseren Fahrer, Seung, schätze ich keine zwanzig Jahre alt. Er ist ältester Sohn einer Khmer-Familie und seit dem Tode des Vaters verpflichtet, neben seiner Mutter für den Lebensunterhalt der sechsköpfigen Familie zu sorgen. Eine Berufsausbildung oder gar ein Studium wird ihm wahrscheinlich für immer verwehrt bleiben. Er erzählt uns von buddhistischen Beisetzungszeremonien. Die Asche der Toten wird zum Abschluss in einer Urne beigesetzt und im Tonle Sap versenkt. Eines Tages, als Seung noch auf den Reisfeldern gearbeitet hat, entdeckte er eine Urne in einer Astgabel. Erschreckt ergriff er die Flucht, um nicht von bösen Geistern geschnappt zu werden. Vermutlich ist die Urne während der Regenzeit bestattet worden, als das Wasser das um den See liegende Land noch meterhoch überflutete.

Durchgerüttelt, fast schwindelig, kommen wir am Zugangsweg an. Um die im Fluss eingebetteten Steinmetzarbeiten zu erreichen, müssen wir noch eine halbe Stunde über Stock und Stein spazieren. Kurz nachdem Amelie - zum Glück mit Schuhen - auf einen Skorpion (Bild) getreten ist, entdecken wir noch eine possierliche Echse am Wegesrand.

Am Fluss angekommen, entdecken wir rasch die Lingame, steinerne zylinderförmige Phallussymbole von etwa zwanzig Zentimetern Durchmesser. Zu Hunderten - früher mögen es gerne Tausende gewesen sein - bedecken sie das Bachbett. Die Lingame liegen so dicht, dass man denken möchte, es handele sich um antikes Kopfsteinpflaster.

Etwas weiter flussaufwärts ruhen weitere Reliefs mit hinduistischen Figuren auf großen, vom Bach unterspülten Felsen. Leider sind diese Reliefs nicht vom Wasser bedeckt, es ist zu trocken in dieser Zeit. Schade, ohne die etwas verschleiernde Wasserschicht zwischen Betrachter und Objekt wirkt der Zauber aus vergangener Zeit kaum noch.

Nur ein paar Minuten weiter treffen wir auf einen kleinen Wasserfall. Direkt neben der Sturzkante und im Becken darunter zeigen sich noch einige geisterhafte Reliefs. Warum die Steinarbeiten gerade hier im Wasser geschaffen worden sind, ist bis heute nicht endgültig ergründet worden. Aber solange die Reliefs ihr Entstehungsgeheimnis für sich behalten können, umgibt sie noch ein Hauch von Unergründlichem und Rätselhaftem.

Auf der Rückfahrt machen wir einen Umweg, um dem Tempel Banteay Srei, ca. 30 Kilometer von Angkor entfernt, einen Besuch abzustatten. Seine Ornamente zählen zu den schönsten ganz Kambodschas. Mittlerweile ist es Mittag und die Sonne brennt steil vom wolken- losen Himmel. In der direkten Sonne ist es nur kurz auszuhalten. So schleichen wir im Schutz des Schattens die Mauern entlang. Leider kommt zu Hitze noch der Umstand hinzu, dass die interessantesten und schönsten Tempelabschnitte gerade renoviert werden und daher nicht zugänglich sind. 

Während ich mir die Zeit mit dem Filmen von ein paar Tempeldetails vertreibe, spazieren Annette und Amelie in eine andere Tempelecke. In einem etwas abseits gelegenen Durchgang lugt plötzlich direkt vor ihnen ein Schlangenkopf aus einer Ritze in der Tempelwand. Wahrscheinlich von der Hitze zur Flucht getrieben, lässt sie sich träge auf den Boden ab und verschwindet lautlos in einer Nische auf der gegenüberliegenden Seite. Leider ist es uns nicht gelungen, die Schlangenart zu bestimmen. Den einzigen - im Nachhinein etwas unheimlichen - Hinweis entnehmen wir unserem englischen Reiseführer: "Beware of the small but deadly Hanuman snake".  

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Das Heiligtum Banteay Srei wurde bereits im Jahre 967 dem Hindugott Shiva ge- weiht.

Mit nur einer Ebene und den zentralen Ausmaßen von ca. 40 x 40 Metern (ohne Prozessions- weg als Zu- gang) ist der Tempel winzig im Vergleich zu anderen Anlagen von Angkor.